«Die Zeit ist reif.»

Wie aus dem Nichts eröffnete Marion Schiess Anfang Dezember 2019 in St.Gallen ihren Unverpacktladen Ganzohni. Nicht einmal die Dachorganisation ZeroWaste Switzerland wusste davon, obwohl sich solche Projekte in der Szene normalerweise schnell herumsprechen. Gleichzeitig schaffte es die Jungunternehmerin, viele Menschen mit ihrer Idee zu begeistern. Familie, Freundinnen und Bekannte halfen tatkräftig mit.

Als ihr ein Bekannter sagte, er fände ihre Vision grossartig und wolle ihr dafür einen Kredit geben, wusste Marion Schiess: «Das ziehe ich jetzt durch.» Selbst trug sie die Idee schon Jahre mit sich herum, weil sie der Meinung war, St.Gallen brauche auch einen Unverpacktladen.

«Hätten mir nicht so viele von sich aus ihre Unterstützung angeboten, hätte ich es nicht gemacht», stellt Marion Schiess klar. Da war die Familie, die sofort Feuer und Flamme war. Oder aber der Versicherungsprofi, der mit ihr unter anderem die Preise kalkulierte. Oder der Schreiner, der ihr die Spezialanfertigung für die Silos baute. Und viele, viele andere.

Wer ihr Lokal bestaunt, könnte meinen, sie habe viele andere Unverpacktläden besucht, bevor sie ihren eingerichtet hat, aber dem war nicht so. «Ich habe einfach angefangen, ohne konkrete Struktur, und irgendwie hat alles geklappt.» Die Silos, der eigentliche Kern jedes Unverpacktladens, hatte sie schon gekauft, da hatte sie noch nicht einmal ein Ladenlokal. Marion Schiess hat vieles richtig gemacht.  Etwa von Anfang an einen Lebensmittelinspektor ins Boot geholt: «Er hat mich bei jeder Immobilienbesichtigung begleitet. So konnte er mir sofort sagen, wenn teure Renovationen nötig gewesen wären aufgrund der Hygienevorschriften. » Dieser Service sei zwar nicht gratis, aber deutlich günstiger, als im Nachhinein von nicht einkalkulierten Kosten überrascht zu werden.

«Kaufe langsamer ein und mach mehr selber.»
Marion Schiess Ganzohni Unverpacktladen St. Gallen

Unverpacktläden inspirieren zu einem langsameren, einfacheren Lebensstil. Und zu einem Menüplan, der auch mal ohne Fleisch auskommt. Etwa mit Sojagranulat, aus welchem man eine Bolognese-Sauce zubereiten kann. Doch Tipps zu Ernährung oder Substitution, etwa von Fleisch, will Marion Schiess nicht geben. «Ich sehe das ganz undogmatisch. Das Einzige, was ich den Leuten sage, ist: Habt Freude an dem, was ihr esst. Wie wichtig das ist, weiss ich aus eigener Erfahrung.» Ihr komme es bei Ganzohni nicht nur auf das Reduzieren von Verpackungen an: «Genauso wichtig ist mir auch die Qualität der Produkte, sie sollen möglichst hochwertig sein.» Die Rückmeldungen sprechen für sich: «Es gab nach der Eröffnung unglaublich viele Menschen, die sich bei mir bedankten, dass ich so einen Laden auf die Beine gestellt habe.»

Zwei Dinge motivieren Marion Schiess besonders. Einerseits glaubt sie daran, dass man als einzelner Mensch viel bewirken kann, andererseits ist ihr Traum, dass die Politik griffige Massnahmen ergreift zum Schutz der Umwelt und der Konsument*innen.

GANZOHNI UNVERPACKTLADEN
Idee gehabt:

2014

Eröffnung:

03.12.2019

Startkapital:

CHF 70'000
Kredit und viel Unterstützung von allen Seiten.

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